Replikensammlung
Stenopterygius

Replik eines Stenopterigius Schädel aus dem unteren Jura






Homo sapiens

Reich: Animalia
Stamm: Chordata
Klasse: Mammalia
Ordnung: Primates
Unterordnung: Haplorhini
Familie: Hominidae
Gattung: Homo (LINNAEUS, 1758)

Größe: 21 x 13 x 16 cm
Alter: Quartär (Jungpleistozän bis Holozän) ca. 200.000 Jahre bis heute



Homo sapiens bedeutet lateinisch "vernunftbegabter Mensch" und wird biologisch in die Ordnung der Primaten und zur Familie der Menschenaffen gezählt. Der Mensch ist seit ca. 200.000 in Afrika fossil belegt und die einzige überlebende Art der Gattung Homo. Jüngere Fossilien der Art Homo sapiens wurden auch auf anderen Kontinenten, außer der Antarktis, gefunden. Als erster Naturforscher beschrieb 1758 Carl von Linné die Art. Früher wurde auch der Neandertaler, der vor rund 30.000 Jahren ausstarb, als Homo sapiens neanderthalensis bezeichnet. Diese Einteilung als Unterart des Menschen gilt heutzutage allerdings als überholt.
Laut der Out-of-Africa-Theorie, breitete sich der Mensch während der letzten Kaltzeit im Jungpleistozän (ca. 115.000 bis ca. 12.500 Jahre), vom afrikanischen Kontinent ausgehend, weltweit aus. In dieser Zeit kam es zu einer deutlichen Abkühlung des Klimas, zu weiträumigen Vergletscherungen sowie zu einem Absinken des Meeresspiegels und somit zur Bildung von Landbrücken, die eine weltweite Ausbreitung des Homo sapiens auf andere Kontinente zum Teil erst ermöglichte. Vor rund 17.000 bis 12.000 Jahren wurde der Mensch, der vorher ein Jäger und Sammler war, nach und nach sesshaft und betrieb Ackerbau und Viehzucht.

Homo sapiens

Replik eines menschlichen Schädels

Der Abguss eines weiblichen menschlichen Schädels aus einem tonähnlichem Material, kaufte ich im Herbst 2014 auf ebay von einem Tschechischen Händler. Obwohl der Schädel auf den ersten Blick sehr detailliert und realistisch erscheint - die Farbe, die einzelnen Schädelnähte sowie das Hinterhauptsloch sind sehr gut modelliert - fehlen doch einige wichtige anatomische Merkmale wie der äußere Gehörgang sowie einige Knöchelchen im unteren Schädelbereich. Modelle aus Kunststoff sind hier anatomisch deutlich detaillierter.


Archaeopterix lithographica

Reich: Animalia
Stamm: Chordata
Klasse: Dinosauria
Ordnung: Saurischia
Unterordnung: Theropoda
Familie: Archaeopterygidae
Gattung: Archaeopterix (MEYER, 1861)

Größe: 47 x 39 cm
Fundort: Blumenberg bei Eichstätt, Solnhofen Formation, Fränkische Alb, Bayern (Deutschland)
Alter: Oberjura (Tithonium) ca. 150,8 bis 148,5 Millionen Jahre



Archaeopterix bedeutet altgriechischen "Alte Feder" und bezeichnet eine Gattung von Archosauriern, die als Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln gelten. Deshalb ist diese Gattung, deren Fossilien in den Solnhofener Plattenkalken der Fränkischen Alb gefunden werden, auch als Urvogel bekannt. Das erste Fossil dieses Urvogels, eine isolierte Feder, wurde im Jahr 1861 von Hermann von Meyer beschrieben. Die ersten Überreste des Skeletts wurden aber schon im gleichen Jahr in seiner Veröffentlichung erwähnt. Es befindet sich heute im Londoner Naturhistorischen Museum und gilt als Holotyp der Art Archaeopterix lithographica. Im Laufe der Zeit wurden 11 weitere, mehr oder weniger, vollständige Skelette des Archaeopterix gefunden. Sämtliche Fossilien stammen aus den oberen Weißjuraschichten der Steinbrüche Eichstätt, Solnhofen, Langenaltheim und Jachenhausen in der Fränkischen Alb. Gleichzeitig war Archaeopterix, aufgrund seiner äußeren Merkmale, maßgeblich federführend für die Durchsetzung und Richtigkeit der Darwinschen Evolutionstheorie in der Wissenschaft.

stenopterygius

Archaeopterix lithographica Replik - das berühmte "Berliner Exemplar"

Die Gattung Archaeopterix zeigt anatomische Merkmale von urtümlichen Reptilien sowie modernen Vögeln. Vor allem das Vorhandensein von Zähnen im Kiefer sowie Bauchrippen, unverschmolzenen Beckenwirbel und Knochen der Gliedmaßen, die lange Schwanzwirbelsäule und das Fehlen eines Brustbeins, sind Merkmale der Reptilien. Vogeltypische Merkmale sind vor allem die symmetrischen Schwungfedern, das Gabelbein sowie die rückwärts oder seitlich orientierte erste Zehe am Fuß. Aufgrund von neueren paläontologischen Erkenntnisse aus den letzten 20 Jahren, stehen diese Merkmale allerdings nicht als alleinige Merkmale für die Zugehörigkeit zu den Vögeln. Vor allem spätere Dinsosaurierarten aus der Unterordnung der Theropoden, besaßen ähnliche anatomische Besonderheiten wie zum Beispiel Federn. So wurden in den Sedimentgesteinen aus der Unterkreide in Nordostchina ebenfalls zahlreiche vogelähnliche Dinosaurier entdeckt. Deshalb nimmt man heutzutage eher an, dass Archaeopterix eine Folge der Entwicklung von Dinosauriern war, die den Vögeln immer ähnlicher wurden. Des Weiteren hat Archaeopterix mehr Merkmale mit Deinonychosauriern gemein als mit Vögeln. Aus diesem Grund wird das Verwandschaftverhältnis zu den heutigen Vögeln von einigen Wissenschaftlern mittlerweile stark angezweifelt. Außerdem dienten die Federn des Archaeopterix wahrscheinlich nicht vordringlich zum Fliegen oder Gleiten, sondern eher zum Warmhalten des Tieres, zum Halten der Ballance beim schnellen Lauf und als Tarnung oder Schmuck.

Archaeopterix

Rekonstruktion des Archaeopteryx by Nobu Tamura - via Wikimedia Commons

Das mir hier vorliegende Exemplar, was in meinem Wohnzimmer begutachtet werden kann, ist übrigens ein Original-Abguss des berühmten "Berliner Exemplars" und Holotyp für die Art Archaeopterix siemensii. Es kann seit dem Jahr 2007 dauerhaft im Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin besichtigt werden. Dieses Exemplar wurde in den Jahren 1874 bis 1876 auf dem Blumenberg bei Eichstätt gefunden und gilt, mit seinen Federabdrücken und seinem gut erhaltenen Schädel, als das schönste und vollständigste Exemplar des Urvogels. Im Herbst 2013 kaufte ich es vom Rheinischen Mineralien-Kontor KRANTZ für 220 EUR.


Stenopterigius quadriscissus

Reich: Animalia
Stamm: Chordata
Klasse: Reptilia
Ordnung: Ichthyosauria
Familie: Stenopterygiidae
Gattung: Stenopterygius (JAEKEL, 1904)

Größe: 117 x 45 cm
Fundort: Posidonienschiefer, Holzmaden, Baden-Württemberg (Deutschland)
Alter: Unterjura (frühes Toarcium bis Aalenium) ca. 182 bis 170 Millionen Jahre



Diese Gattung von Ichthyosauriern lebte vom frühen bis mittleren Jura in Westeuropa vor 182 bis 170 Millionen Jahren. Vor allem der 180 Millionen Jahre alte Holzmadener Posidonienschiefer in Badewn-Würtemberg ist reich mit sehr gut erhaltenen Fossilien dieser Meeresechsen. In diesem schwarzen Gestein haben sich häufig komplette Skelette erhalten, die sogar noch die Körperumrisse des Tieres zeigen. Bei einigen dieser Fossilien erkennt man sogar Embryonen im Körper oder gerade geborene Jungtriere.

stenopterygius

Stenopterygius quadriscissus Replik aus Holzmaden

Stenopterygius wird in die Gruppe der Thunnosauria eingeordnet, die einen spindelförmig, versteiften Körper aufweisen. Sie bewegten sich mit Schwanzflossenschlägen sehr schnell durch das Wasser, ähnlich wie heute lebende Thunfische. Ihre Lebensweise ähnelten der heutiger Delfine. Ein Großteil ihres Lebens verbrachten diese Fischsaurier im offenen Meer, wo sie Fische, Kopffüßer und andere Tiere jagten.
Ausgewachsene Exemplare von Stenopterygius wurden etwa 3 bis 4 Meter lang und hatten mittellange Bauch- und Brustflossen. Sie zeigten an der Brustflosse fünf Finger, wobei ein Finger deutlich kürzer ausgebildet war. Die Bauchflosse hatte drei und einen reduzierten Finger. Die Rückenflosse war dreiecksförmig und haiähnlich. Die Schwanzflosse hingegen hatte eine eher sichelförmige Form. Der Schädel war sehr kurz, das Schläfenfenster sehr groß. Der Oberkiefer, das Gaumenbein sowie das Quadratojugale waren ebenfalls kurz und wie eine Art Schnabel geformt und zeigte eine große Anzahl von Zähnen. Die Wirbelsäule zeigte 44 bis 46 Wirbel.

Stenopterygius

Stenopterygius - Zeichnung by Nobu Tamura (CC-BY-SA-3.0) via Wikimedia Commons

In dem Gebiet, wo die Fischsaurier gefunden wurden, erstreckte sich vor mehr als 180 Millionen Jahren das Jurameer, als Nebenmeer der großen Tethys. Es entstand im unteren Toarcium, als sich Amerika von Europa und Afrika trennte. Durch diese Trennung sanken große Bereiche von Mittel- und Westeuropa ab und es bildete sich ein flaches brackiges Nebenmeer aus. Diese Gewässer bestand aus mehren Inseln, dem europäischen Archipel. Das Klima war subtropisch und geprägt vom Sommermonsun und trockenen Wintern. Im Meer schwankte der Sauerstoffgehalt ziemlich stark, so dass sich totes Gewebe nur sehr langsam zersetzte. Die angeschwemmten Tone und Kalke überdeckten das tote Gewebe sehr bald, so dass sich die Überreste sehr gut fossil erhalten konnten. Neben Fischsauriern, findet man auch sehr gut erhaltenen Überreste von Seelilien, Ammoniten und Fische.

Das eindrucksvolle und detaillierte Replik eines Stenopterygius quadricissus hängt bei mir zur Zeit in der Wohnstube und zieht regelmäßig die Aufmerksamkeit meiner Besucher auf sich. Ich kaufte es im Spätsommer 2013 vom Rheinischen Mineralien-Kontor KRANTZ für 440 EUR! Bei diesem Händler gibt es übrigens noch weitere Abgüsse von berühmten Fossilien in sehr hoher Qualität. Auch auf dem Titelbild dieser Seite ist ein Stenopterygius-Schädel abgebildet. Diesen Abguss, auf einem echten Stück Schiefer, wurde für nur 15 EUR von vielfossil Mitte Januar 2014 im Internet käuflich erworben.


Mesosaurus brasiliensis

Reich: Animalia
Stamm: Chordata
Klasse: Reptilia
Ordnung: Mesosauria
Familie: Mesosauridae
Gattung: Mesosaurus tenuidens áka brasiliensis (GARVAIS, 1864-1866)

Größe: 36,5 cm
Fundort: Iruti Formation, Sao Motens de Sul, Parana (Brasilien)
Alter: Unterperm (Artinskium) ca. 290 bis 279 Millionen Jahre



Mesosaurier waren aquatisch lebende Reptilien und lebten in der Zeit des frühen Perms vor 290 bis 279 Millionen Jahren in Seen und Binnenmeeren im heutigen südlichen Afrika und im östlichen Teil Südamerikas. Für Alfred Wegener, dem Begründer der Plattentektonik, waren die Fossilienfunde ein Hinweis darauf, dass beide Kontinente vor rund 300 Millionen Jahren im Urkontinent Gondwana verbunden waren. Mesosauria sind nach heutigem Kenntnisstand die ersten Landwirbeltiere, die zu einer rein aquatischen Lebensweise zurückgekehrt sind. Der zusammengesetzte Begriff für die Art wurde aus dem altgriechischen entlehnt und bedeutet übersetzt "mittlere Echse". Der französische Naturforscher Paul Gervais wies im 19. Jahrhundert nach, dass das Skelett Merkmale von heute lebenden Reptilien und ausgestorbenen Arten aufwies und die Gattung deshalb eine Art Zwischenstellung einnehme. Der Holotyp von Mesosaurus wurde allerdings schon in den 1840er in der Norddkap-Provinz Südafrikas gefunden und diente als Deckel für einen Kochtopf von Einheimischen.

mesosaurus

Mesosaurus brasiliensis Replik aus dem Unterperm

Bei Mesosaurier handelte es sich um relativ kleine und schlanke Reptilien mit Längen bis zu einem Meter. Sie besaßen schmale, verlängerte Kiefer mit zahlreichen nadelförmigen Zähnen, die schräg im Kiefer standen. Der Hals war verlängert und besaß 12 Wirbel. Der Schwanz war zum Schwimmen abgeplattet, die Gliedmaßen, die leicht reduzierte Knochen aufwiesen, waren paddelartigen ausgebildet. Die Knochen waren relativ dick und schwer, so dass das Tier im Wasser einen besseren Auftrieb besaß.
Aufgrund ihres Körperbaus geht man davon aus, dass sie geschickte Jäger waren und ihre Beute im Wasser jagten. Zum Speiseplan gehörten krillähnliche Krebstiere und kleinere Fische. Wahrscheinlich legten Mesosaurier ihre Eier an Land ab und betrieben Brutpflege. Einige Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass sie lebendgebärend waren, weil die gefundenen Embryos der Art schon weiter entwickelt waren. Die genaue Systematik in das Tierreich ist auch heute noch umstritten. Zunächst wurden Mesosaurier als Diapsode und Verwandter der Dinosaurier und meist heute lebender Reptilien oder als Synapside und entfernter Verwandter der Säugetiere betrachtet. Ein Streitpunkt ist der Aufbau des Schädels hinsichtlich des Vorhandenseins eines Schläfenfensters. Neuere Untersuchungen ergeben, dass Mesosaurus mit permischer und heute ausgestorbener bzw. lebende aquatischen Reptilien, wie zum Beispiel den Krokodilen, verwandt sind.

mesosaurus

Mesosaurus - Zeichnung by Nobu Tamura via Wikimedia Commons

Die Fossilien von Mesosaurus kommen zum teil massenhaft in den unterpermischen Schichten der Whitehill-Formation in Südafrika sowie in Brasilien und Urugay in der Irati- bzw. Mangrullo-Formation vor. Meist werden ganze oder unvollständig flachgedrückte Skelette gefunden. Bei den Ton- und Kalksteinen dieser Formationen handelt es sich um Ablagerungen von flachen und tiefen Gewässern eines ausgedehnten Sees oder Binnenmeeres.

Das weiter oben abgebildete Replik des Mesosaurus brasiliensis hängt zur Zeit bei mir im Korridor und begrüßt Gäste, die mich besuchen. Es wurde im Sommer 2013 auf ebay ersteigert.


Dickinsonia costata

Reich: Metazoa
Stamm: Proarticulata
Klasse: Dipleurozoa
Familie: Dickinsoniidae
Gattung: Dickinsonia (SPRIGG, 1947)

Größe: 3,8 x 2,8 cm (Fossil)
Fundort: Flinderskette, Ediacara Member, Rawnsley Quarzite, Southern Australia (Australien)
Yorga Formation, Weißes Meer (Russland)
Chernokamen Formation, Ural (Russland)
Mogilev Formation, Padolien (Ukraine)
Alter: Präkambrium (Ediacarium) ca. 560 bis 555 Millionen Jahre



Dickinsonia ist ein Gattung ausgestorbener Lebenwesen aus dem späten Ediacarium vor mehr als 555 Millionen Jahren. Wie die meisten Gattungen aus diesem Zeitalter, sind diese nur schwer mit heutigen Lebewesen zu vergleichen, weil eine systematische Einordnung dieser Metazoen ins Tierreich, aufgrund diverser einzigartiger äußerer Merkmale, meist nicht gelingt. Dickinsonia wurde als eine Art Qualle, Koralle, polychaeterer Wurm, Strudelwurm, xenophyophorer Protist, Seeanemone, Flechten oder als enger Vorfahr der Chordaten interpretiert. Auch die Einordnung ins Reich der Pilze sowie zu einem ausgestorbenen Tierreich, den so genannten Vendobionten und demnach zu den Protozoen, wird diskutiert. Ein Hinweis für die Einordnung in diese Gruppe ist die große Ähnlichkeit im Aufbau der Dickinsoniamorpha mit Charnia und anderen Rangemorpha, die meist zum Ende des Ediacariums wieder von der Bildfläche des Lebens verschwanden.

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Dickinsonia costata aus den Ediacara Hügeln in Südaustralien

Der deutsche Paläontologe Adolf Seilacher ging davon aus, dass Dickinsonia ein besonders einfach aufgebautes Lebewesen war und mehr einem großen Einzeller glich. Er beschrieb das Tier als eine Art mit Flüssigkeit gefüllte "abgesteppte Luftmatratze". Andere Wissenschaftler gehen von deutlich komplexeren aufgebauten Lebewesen aus, wobei die Zentralfurche als eine Art Darm und die einzelnen Segemente als Muskelfasern interpretiert werden.
Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Arten von Dickinsonia beschrieben. Diese Tiere erreichten Größen zwischen 4 mm und 1,4 Metern! Im Gegenzug belief sich die Dicke des Tieres auf nur wenige Milllimeter. Charakteristisch ist ihr Relief, ausgehend von einer zentralen Furche, an dem weitere rippenartige Segmente, die zum breiteren Ende hin geneigt sind, abgehen. Dickinsonia Arten unterscheidet sich vor allem in ihrer Körperform und Größe. Allen Arten gemein ist die Bilateral- bzw. Gleitspiegelsymmetrie ihres Körpers.

Über die Lebensweise von Dickinsonia ist nur wenig bekannt. Fossilie Abdrücke dieser Lebenwesen werden in der Regel als symmetrisch segmentierte, runde oder ovale Negativabdrücke an der Basis von Sandsteinschichten gefunden. Es wird aber davon ausgegangen, dass das Lebewesen Mikrobenmatten auf dem Meeresboden abweidete und sich dabei einem Mechanismus bediente, der heute noch von den Placozoa genutzt wird. Aufgrund der Fossilienfunde existiert kein Hinweis auf aktive Fortbewegung. Wahrscheinlich bewegten sich die Tiere mit Hilfe der Meeresströmung fort und konnten sich auch direkt auf dem Meeresboden verankern. Der Paläontologe Greg Retallack schlug sogar vor, dass einige Ediacara Fossilien, wie Dickinsonia, Flechten waren und auf dem Land gelebt haben könnten.

Der Geologe Reginald Claude Sprigg (der Entdecker der Ediacara Fauna) entdeckte Dickinsonia in den Ediacara Hügeln von Südaustralien und beschrieb das Lebewesen im Jahr 1947. Er benannte es nach dem damaligen Direktor der Minen von Südaustralien Ben Dickinson. Viele Exemplare von Dickinsonia werden heutzutage in der Gegend des Weißen Meeres in Russland und der Ukraine gefunden.

Das hübsche Replik von Dickinsonia costata kaufte ich im Spätsommer 2014 von einem britischen Fossiliehändler für weniger als 10 Euro. Echte Dickinsonia-Fossilien werden ab und zu auf ebay für 100 Euro und aufwärts angeboten.

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Rekonstruktion von Dickinsonia costata aus dem Präkambrium Australiens
Zeichnung by Stanton F. Fink via Wikimedia Commons

Charnia masoni

Reich: Metazoa - incertae sedis
Stamm: Petalonamae
Gattung: Charnia (FORD, 1958)

Größe: 21 cm
Fundort: England - Charnwood Forest (GB) und Neufundland - "Mistaken Point" (Kanada)
Alter: Präkambrium (Ediacarium) ca. 575 bis 550 Millionen Jahre



Charnia ist eine Gattung ausgestorbener Lebewesen aus dem neoproterozoischen Zeitalter des Ediacarium. Charnia gehört zu den frühsten Lebewesen der so genannten Ediacara-Fauna, die nach den Ediacara Hügeln in Südaustralien benannt wurden. Die Gattung zählt zu den ältesten Makrofossilien überhaupt und es war das erste Fossil, welches in zweifellos präkambrischen Gesteinen gefunden wurde. Davor ging man aus, dass es vor dem Kambrium keine Lebewesen gab, die aufgrund ihres nicht vorhandenen festen Exoskeletts hätte fossilisieren können.
Die systematische Zuordnung von Charnia wird immer noch kontrovers diskutiert, denn obwohl Ähnlichkeiten mit rezenten Seefedern bestehen, besteht vermutlich keine direkte Verwandtschaft zu dieser Ordnung. Als alternative Hypothese wird angenommen, dass Charnia zum ausgestorbenen Stamm der Vendobionten gehört, welche als gigantische einzellige Organismen interpretiert werden.

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Abdrücke von Charnia masoni aus dem Charnwood Forest in England

Das erste Exemplar von Charnia wurde 1956 im Charnwood Forest in Leicestershire, England von der 15-jährigen Schülerin Tina Negus gefunden. Allerdings erfuhr diese Entdeckung zunächst keinerlei Beachtung. Als eigentlicher Entdecker gilt deshalb der 16-jährige Schüler Roger Mason, der nur ein Jahr später beim Bergsteigen im Charnwood Forest die Überreste dieses Lebewesens fand. Charnia, früher von der Wissenschaft als eine Art Algengattung interpretiert, war vermutlich ein Tier, welches keine inneren Verdauungsorgane besaß. Es war fest im tiefen Meeresboden verankert und filterte die Nährstoffe vermutlich direkt aus dem Meerwasser heraus. Besonders augenfällig ist der fraktale Aufbau des Tiers in Form von Zick-zack Segmenten, die von einer zentralen Achse ausgehen.
Charnia ist das einzige Fossil aus dem Ediacarium, was an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt in präkambrischem Gestein gefunden wurde. Bisher sind drei Spezies bekannt, die zur Gattung Charnia gehören: Charnia masoni, Charnia wardi und Charnia antecedens.

seefeder Das Ediacarium ist die jüngste Periode des Proterozoikums und begann vor 635 Millionen Jahren, mit dem Ende des Cryogeniums, und endete vor ungefähr 541 Millionen Jahren, mit dem Beginn des Kambriums. Bekannt ist das Ediacarium durch die Fossilien der Ediacara-Fauna aus den Ediacara-Hügeln in den Flinders Ranges des Bundesstaates South Australia. Der Geologe Reginald Claude Sprigg fand dort im Jahr 1946 Abdrücke von Weichtierorganismen, die sich vor allem an der Unterseite von Quarzit und Sandsteinplatten erhalten hatten. Weitere Fundstätten liegen in England, Namibia, in der Region des Weißen Meeres in Russland sowie in der Ukraine, Neufundland, im kanadischen Northwest Territorium, im Südwesten Nordamerikas und China.
Die Ediacara-Fauna erschienen kurz nach dem Ende der globalen Vereisungen der Erde ("Schneeball-Erde-Hypothese"). Durch die Erwärmung, ging auch ein erhöhter Sauerstoffgehalt der Atmosphäre einher, die förderlich für die Entwicklung höherer Lebewesen war. Die Ediacara-Fauna repräsentierte vermutlich die ersten Gewebetiere (Eumetazoa) und besaßen zunächst keinerlei mineralisierender Hartteile oder ein Verdauungstrakt. Sie ernährten sich vermutlich durch osmotische Diffusion oder durch Bakterien, die mit den Organismen in Symbiose lebten.

Das oben rechts abgebildete Charnia-Replik kaufte ich im Januar 2014 online beim Prehistoric Planet Store für 27$. Dort werden weitere interessante Repliken aus allen Erdzeitaltern und auch echte Fossilien angeboten. Die beiden anderen Stücke (Charnia als Positiv- & Negativ-Abdruck) erwarb ich Anfang 2016 von geoed.co.uk. Hierbei handelt es sich um einen britischen Onlinestore, der über 2.000 Repliken (oft Holotypen bekannter Fossilien) für einen vergleichsweise günstigen Preis anbietet. Eine weitere gute Quelle für Repliken, und vor allem geologische Ausrüstungen, ist das Rheinische Mineralien-Kontor von Dr. F. Krantz. Hier gibt es exklusiv eine Sammlung von Repliken aus dem Ediacarium. Im Set für 285 EUR werden Abgüsse der berühmtesten präkambrischen Fossilien aus Südaustralien angeboten: Charnia masoni, Dickinsonia costata, Tribrachidium heraldicum, Mawsonites spriggi, Spriggina floundersi und Cyclomedusa.

ediacara

Das Leben im Ediacarium, Foto by Ryan Somma (Quelle)